Konzertkritiken2018-01-19T09:21:29+00:00

Konzertkritiken

Junges Orchester begeistert mit Mahler – Hartmut Sassenhausen, WZ | 09.01.2018

In diesem Jahr begeht das Junge Orchester NRW seinen 33. Geburtstag. Es ist mittlerweile zu einer festen Institution im bevölkerungsreichsten deut-schen Bundesland geworden. Denn der überwiegend aus Schülern, Studenten und jungen Laienmusikern bestehende Klangkörper hat sich den guten Ruf erworben, niveauvolle Konzerte zu präsentieren. Es pflegt besonders große Musik aus der Romantik und Spätromantik.

Ein epochales Werk aus dieser Epoche hatte es sich zu seinem Jahrestag ausgesucht, das in Wuppertal seit vielen Jahren nicht mehr erklungen ist: die dritte Sinfonie in d-Moll von Gustav Mahler. So war der Große Saal der Stadthalle gut besucht.

Diese Dritte entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Es war eine Zeit, in der Komponisten gerne für eine sehr große Orchesterbesetzung schrieben. 16 erste Geigen sind die Regel. Für dieses Opus verlangt Mahler außerdem unter anderem acht Hörner, eine gewaltige Schlagzeugabteilung, Chöre, eine Gesangssolistin und sogar ein Fernorchester. Dicht gedrängt hätte das junge Orchester auf der großen Bühne Platz gefunden – abgesehen von den aus der Ferne spielenden Instrumentalisten.

Gerade der Streicherapparat profitierte von der Dimension

Doch es war mit 90 Streichern (darunter 22 erste Geigen und 11 Kontrabässe) und zehn Hörnern sogar noch größer als vom Komponisten vorgeschrieben. Also mussten die ersten Stuhlreihen des Auditoriums entfernt werden, um die Bühne zu vergrößern. Trotzdem musste Ingo Ernst Reihl, der das Orchester ins Leben rief, über eine vorne angebrachte Treppe das Dirigentenpult erklimmen.

Diese außergewöhnliche Dimension schadete dem Klang jedoch nicht. Gerade der Streicherapparat profitierte davon, da er so – wie bei professionellen Orchestern mit üblicher Größe – über einen sonoren Sound verfügte. Der ist auch nötig, um den musikalischen Gehalt dieses etwa 95-minütigen Werks voll zur Geltung kommen zu lassen.

Mahler schrieb einmal in einem Brief über sein Opus: „Und so bildet mein Werk eine alle Stufen der Entwicklung in schrittweiser Steigerung umfassende musikalische Dichtung. Es beginnt bei der leblosen Natur und steigert bis zur Liebe Gottes! … Meine Symphonie wird etwas sein, was die Welt noch nicht gehört hat. Die ganze Natur bekommt darin eine Stimme und erzählt so tief Geheimes, was man vielleicht im Traume ahnt.“

Ein stets nuanciertes Klangbild

Diese Entfaltung brachte das Orchester unter Reihls stets zuverlässigem und umsichtigen Dirigat voll zur Geltung. Vom Sommeranfang, über eine unbekümmerte Idylle, jagende und dunkle Momente, innige Stimmung bis hin zum hymnischen Finale konnten sämtliche musikalische Schilderungen leicht nachvollzogen werden. Von der ersten Note an spielten die Musiker sicht- und hörbar entschlossen auf, sorgten für ein nuanciertes Klangbild und zogen große musikalische Spannungsbögen.

Auch die nicht leichte Passage des Fernorchesters kam fast perfekt von oben links hinter der Empore. Das dunkle Timbre des ausgewogenen Mezzosoprans von Stephanie Lesch passte perfekt zu dem Solo „O Mensch! Gib acht!“. Auch die drei Kinderchöre aus Hagen, Mühlheim an der Ruhr und Witten wie der für dieses Projekt zusammengestellte Frauenchor (Einstudierung: Andreas Feilen) zeigten sich vorzüglich disponiert. Das „Bimm Bamm“ der Jugendlichen und die Weise „Es sungen drei Engel einen süßen Gesang“ sangen sie außerordentlich harmonisch und ergreifend.

So kam dieses sechssätzige Riesenwerk zu einer spannenden Aufführung, zumal auch die musikalischen Gegensätze von Zartheit und Härte wie Mystik und Naivität deutlich herausgearbeitet wurden. Der begeisterte, lang anhaltende Schlussapplaus inklusive stehende Ovationen war logisches Resultat.

Schroffe Wechselbäder der Gefühle – Klaus Albrecht, WAZ | 13.07.2017

Seit über 30 Jahren gibt es „das junge Orchester NRW“, ein freies Ensemble aus Schülern, Studenten und Berufstätigen, aus Laienmusikern und Profis. Gründer Ingo Ernst Reihl, damals selbst noch Kompositionsstudent bei Wolfgang Hufschmidt, leitet das Orchester bis heute. So auch jetzt zum Sommerkonzert in der Philharmonie mit groß dimensionierten Werken von Henri Vieuxtemps und Tschaikowsky.

Das Violinkonzert Nr. 4 des Belgiers nimmt sich eher wie eine Sinfonie im romantischen Geist aus und entsprechend setzte sie Reihl expressiv unter Dampf. Nicht immer zum akustischen Wohl der exzellenten Solistin Eldbjǿrg Hemsing, die ihren Part in ziseliertem, hochsensiblem und graziösem Spiel ausbreitete: schlank ihr Ton, funkelnd und federleicht ihre technische Virtuosität bis in die Zweistimmigkeit.

Schwergewichtiges dann im zweiten Teil mit der „Pathétique“ von Tschaikowsky, die dem Dirigenten ganz offensichtlich eine Herzensangelegenheit war mit all ihren inneren Brüchen, ihrer Zerrissenheit, ihren schroffen Wechselbädern zwischen fiebernder Sehnsucht und erdrückender Depression. Reihl agierte am Pult ungemein dynamisch und reizte die klanglichen Extreme aus, gewiss auch auf Kosten der orchestralen Balance und Durchsichtigkeit. Doch wie er hier den seelischen Höllenpfuhl heraufbeschwor und andererseits den 5/4-Walzerschwung in Fahrt brachte, wie er den Marsch bis ins Tumultuöse hochtrieb und – was für eine Fallhöhe! – im Schlusssatz in Hoffnungslosigkeit wendete, das war schon ein Erlebnis, wie auch das Publikum mit großem Applaus bestätigte.

Ein ganz besonderes Konzert – Siegener Zeitung | 4. Juni 2012

Das Junge Orchester NRW führte Gustav Mahlers „Auferstehungssymphonie“ auf. Mehr als 300 Musiker und Sänger sorgten in der St.-Martinus-Kirche für ein unvergessliches Konzerterlebnis.

Mit der „Auferstehungssymphonie“ von Gustav Mahler präsentierte am Samstagabend das junge orcherster NRW gemeinsam mit den Chören der Konzertgesellschaft Wuppertal, der Universität zu Köln und der Universität Witten/Herdecke sowie den Solisten Myung-Hee Hyun (Sopran) und Schirin Partowi (Alt) in der Olper St.-Martinus-Kirche eines der aufregendsten Werke der Symphonik.

Die Aufführung erfolgte nach der im Jahr 2010 erfolgten Neuausgabe des 1895 in Berlin uraufgeführten Werkes in der „Neuen Kritischen Gesamtausgabe“ der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft. Schon vor Beginn des außergewöhnlichen Konzertes spürten die zahlreichen Besucher, dass sie etwas Besonderes erwarten konnten. Die jungen Orchestermitglieder stimmten vor der Kirche ihre Instrumente – ihre Konzentration und Motivation waren deutlich sichtbar.

Unter ihnen waren mit Matthias Bongers und Matthias Scheidtmann vom Feuerwehr-Musikzug Wenden sowie Matthias Weber, Theresa Wurm, Christoph Wurm und Markus Weber vom Musikverein Gerlingen auch sechs junge begabte Musiker aus der Gemeinde Wenden.

Ingo Ernst Reihl, Dirigent und Gründer des jungen orchesters NRW, brachte die Besonderheit der Aufführung im Gespräch mit der SZ auf den Punkt: „Es gibt nicht viele Jugendorchester, die die Symphonie Nr. 2 in c-Moll beherrschen. Es ist ein komplexes Werk mit vielen Klangfarben, die ständig wechseln. Hinzu kommen verschiedene Dynamiken. Während die eine Gruppe piano spielt, spielt die andere forte. Das eineinhalbstündige Werk verlangt Virtuosität in allen Stimmen.“ Dass der Universitätsmusikdirektor aus Witten stolz auf seine jungen Musiker ist, konnte er nicht verbergen: „Wir haben im Kulturzentrum Lindlar zwei Tage in Gruppen und fünf Tage gemeinsam geprobt. Das Ergebnis ist unglaublich gut.“

Davon konnten sich dann auch die Zuhörer vor dem imposanten Bühnenbild mit 130 Orchestermitgliedern und 120 Choristen überzeugen. Sie erlebten eineinhalb Stunden lang kraftvolle Musik voller Extremitäten, die sie vom Anfang bis zum Ende gefangen nahm. Der als großer Trauermarsch konzipierte erste Satz, den Mahler selbst als „Totenfeier“ bezeichnete, war eine durchgängige Klage mit gewaltigen Intensitätsbrüchen, die die Akteure eindrucksvoll interpretierten. Die Pause nach diesem wuchtigen halbstündigen Auftakt bildete für die Zuhörer eine gute Gelegenheit, das Gehörte zu verarbeiten.

Im zweiten und dritten Satz hält Mahler mit einem facettenreichen Intermezzo Rückschau auf das Leben und eine Satire auf das Menschenvolk. Diese Sätze klangen im Gegensatz zum ersten Satz fast schon friedfertig und beschwingt. Doch auch hier gab es bedingt durch die von Wehmut, Glückseligkeit, Lebenslust und Ironie geprägten Stimmungen verschiedene und durchdringende Ausbrüche, die in einem gellenden „Schrei des Ekels“ mündeten. Im vierten Satz, dem „Urlicht“, verlieh die Singstimme den Melodien und Intentionen Mahlers die sprachliche Ausdrucksform. Altistin Schirin Partowi brachte mit der Arie „O Röschen rot“ aus der Volksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ mit warmer, eingängiger Stimme die Todesnot des Menschen und seine Sehnsucht nach Erlösung zum Ausdruck. Mit enormer Wucht brach dann das Finale in den sanften und emotionalen Ausklang des „Urlichts“ ein und rief die Zuhörer wieder in den Kontext des Trauermarsches zurück.

Der fünfte Satz machte deutlich, dass der begnadete Komponist seine selbstgesetzten Dimensionen plakativ noch zu steigern wusste. Mit einem donnernden Schlagwerk rief er die Toten zum Jüngsten Gericht aus ihren Gräbern. Ihr Klagen und Jammern drückten die jungen Musiker mit schrillen Akkorden und durchdringenden Streicher- und Bläser-Klängen aus. Dieser im Fortissimo eingeläuteten Dramatik verliehen der Chor, Sopranistin Myung-Hee Hyun und Altistin Schirin Partowi mit dem leise beginnenden und monumental ausladenden Auferstehungs- Choral Visionen der Hoffnung und Zuversicht.

Sichtlich ergriffen honorierte das Auditorium die Aufführung. Man kann Orchester, den Chören und Solistinnen nur ein Lob aussprechen. Es gelang den jungen Musizierenden beeindruckend, das Thema „Tod und Erlösung“ in seiner Zerrissenheit mit hoher Eindringlichkeit musikalisch zu beschreiben. Sie interpretierten das komplexe Werk mit großer Virtuosität und bescherten den Zuhörern ein unvergessliches Musikerlebnis.

Große Sinfonik als Anreiz und Herausforderung – von Monika Willer | WAZ | 31.05.2012

Der Weg vom Musikverein zum Sinfonieorchester ist kürzer, als man denkt. Sechs junge Musiker aus der Gemeinde Wenden zeigen, wie das geht. Am Samstag spielen sie mit, wenn „das junge orchester NRW“ mit 130 Instrumentalisten und gut 120 Chorsängern Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie“ in der St. Martinus-Kirche Olpe zum Klingen bringt. Einen Tag später wird das Programm in der Philharmonie Essen wiederholt.

„Wir haben im Sauerland schon eine hohe Dichte von sehr guten Musikvereinen, wenn man das mit anderen Regionen vergleicht“, resümiert Matthias Bongers aus dem Musikzug Wenden. „Die meisten jungen Musiker wachsen in den Musikvereinen auf“, ergänzt Theresa Wurm vom Musikverein Gerlingen. Das klassische Repertoire steht dort allerdings nicht im Mittelpunkt. „Deshalb ist es ja gerade gut, dass man auch die Möglichkeit hat, im Sinfonieorchester zu spielen“, so Theresa Wurm.

„das junge orchester NRW“ (djo) wurde vor 26 Jahren von dem Wittener Universitätsmusikdirektor Ingo Ernst Reihl gegründet, der es bis heute leitet. Hier spielen hoch motivierte Schüler, Studenten und junge Berufstätige aus ganz NRW mit. Jährlich gibt es zwei Arbeitsphasen mit abschließenden Konzerten. Der Schwerpunkt liegt auf der großen Orchesterliteratur der Romantik und Spätromantik in Kombination mit selten zu hörenden Werken.

Aber wie kommt man vom Musikzug ins Projektorchester? Christoph Wurm kann das am besten erklären, denn der Hornist aus dem Musikverein Gerlingen ist inzwischen organisatorischer Leiter des djo und studiert Musikmanagement in München. „Für junge Musiker aus dem Sauerland, die gerne in einem großen Sinfonieorchester spielen möchten, ist in der Regel das Märkische Jugendsinfonieorchester die erste Anlaufstelle.

Dort war ich von 2004 bis 2007 Mitglied und habe von einigen älteren djo- und gleichzeitig MJO-Mitgliedern vom „jungen orchester NRW“ erfahren und mich 2008 das erste Mal angemeldet, da dort ein 1. Horn gesucht wurde“, schildert Christoph Wurm seinen Werdegang. Viele Musiker finden ihre Ensembles über Mundpropaganda. „Da man sich in der Sauerländer Musikszene gut untereinander kennt, kommen neue Musiker über Empfehlungen zum djo.“

Große Sinfonik fasziniert
Die großen Werke haben auch Matthias Scheidtmann vom Musikzug Wenden angelockt. „Dass man mit 130 Musikern zusammen spielt, ist selten.“ Mahlers „Auferstehungssinfonie“ ist eine Herausforderung. „Es ist ein ganz besonderer Klang, den man nicht überall hört, auch von der Instrumentierung her“, sagt der 18-jährige Klarinettist.

Jeder kann mitmachen, der sich mit seinem musikalischen Lebenslauf bewirbt, über die nötige Erfahrung verfügt und auf seinem Instrument sehr gut ist. „Da ist es selbstverständlich, dass man sich auf die Proben vorbereiten muss“, betont Matthias Bongers.

Christoph Wurm ist nicht der einzige, der sich durch sein Engagement im Orchester für einen musikalischen Beruf entschieden hat. Seine Schwester, die 21-jährige Flötistin Theresa, studiert Schulmusik in Siegen und genießt die intensive Probenarbeit beim djo. „Das ist etwas anderes, als wenn man immer nur über Musik spricht.“ Matthias Bongers (23), der beim Mahler die Bassklarinette spielt, studiert Maschinenbau in Aachen.

Er schätzt die konzentrierte musikalische Arbeit als Ausgleich. „Man versucht sein Bestes, selbst, wenn es manchmal anstrengend ist, von Aachen zu den Proben zu fahren. Es macht immer Spaß, man lernt viele Leute kennen. Man wird sozusagen geistig entschädigt.“ Christoph Wurm: „Ich habe bislang kein Orchester kennengelernt, wo jeder Musiker so viel Zeit, Energie und auch Geld opfert, um am gemeinsamen Erfolg teilhaben zu können. Außerdem fällt bei uns eine große Zuverlässigkeit jedes Einzelnen auf, da allen das Orchester sehr wichtig ist.“

Erstes Konzert im Sauerland
Das Konzert in Olpe bietet ein spannendes Heimspiel. „Das Orchester hat sowieso noch nie im Sauerland ein Konzert gegeben“, freut sich Matthias Scheidtmann. „In Olpe kommt das nicht so oft vor, dass so ein Konzert gespielt wird“, konstatiert Matthias Bongers. Theresa Wurm fügt hinzu: „Natürlich kennen wir viel mehr Zuhörer als in anderen Städten. Das ist dann noch viel aufregender, als wenn man vor Unbekannten spielt.“

Und wie reagieren die Musikvereine auf die Ambitionen ihrer Mitglieder? Theresa Wurm: „Die profitieren ja ebenfalls davon.“ Matthias Scheidtmann: „Die Vereine fühlen sich in ihrer Jugendarbeit bestätigt, wenn sie merken, dass man etwas aus dem macht, was man dort gelernt hat.“ Matthias Bongers: „Ich werde sogar angesprochen: Da spielst du mit, das ist aber schön!“G

ustav Mahler, „Auferstehungssinfonie“: das junge orchester NRW, Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal, Chöre der Universität Witten/Herdecke. Konzerttermine: Samstag, 2. Juni, 19.30 Uhr, St. Martinus-Kirche Olpe. Sonntag, 3. Juni, 18 Uhr, Philharmonie Essen. Weitere Informationen im Internet: www.djo-nrw.de

Jugend bannt die Schrecken des Todes – von Veronika Pantel | Westdeutsche Zeitung| 28. Mai 2012

Mahlers „Auferstehungssymphonie“ in der Stadthalle: Das Junge Orchester NRW überzeugte mit jugendlichem Überschwang.

Gustav Mahlers zweite Sinfonie, gespielt von einem Jugendorchester – kann das gut gehen? So fragte man sich bang. Es ging gut, und wie gut. Das junge Orchester NRW gastierte am Sonntagabend unter der engagierten und versierten Leistung von Ingo Ernst Reihl mit der c-Moll „Auferstehungssymphonie“ im recht gut gefüllten großen Stadthallensaal.

Eine Weltuntergangsstimmung in bestem musikalischen Sinne

Rund 130 junge Instrumentalisten präsentieren das Mahler‘sche musikalische Programm vom Werden, Vergehen und Auferstehen des Menschen mit beeindruckender Intensität. Schon der erste Satz, der eine Totenfeier beschreibt und einen Trauermarsch als sinfonischen Sonatensatz beinhaltet, überrascht mit dreifach heftig aufbrechenden Klanggewittern in der Durchführung. Dirigent Reihl nimmt sie abrupt, setzt Zäsuren scharf und formt so ein modernes Mahler-Bild.

Dass die Streicher Wogen federnder gestalten, die Holzbläser rhythmisch markanter auftreten könnten, bleibt marginal. Auch dynamisch geschmeidigere Übergänge, durchaus im romantischen Gestus, stünden mancherorts gut an. Doch welche Wucht entfaltet das Orchester mit jugendlichem Überschwang in der Weltuntergangsstimmung des letzten, drastisch gestalteten Zusammenbruchs und in der Coda.

Ein schöner Gegensatz nach kurzer Pause – Mahler fordert ein fünfminütiges Innehalten – ist das idyllische Andante mit Walzerthema, schön leicht und wiegend dargestellt. Und das bizarre Scherzo mit seinen wie trunken schwankenden Melodien der Klarinette täuscht nur kurz Unbekümmertheit vor – denn wieder baut sich Unheilvolles auf, brechen sich grelle Schreie Bahn.

Wenn donnernde Pauken Tote wecken

Mahler transformiert hierbei sein Lied „Des Antonio zu Padua Fischpredigt“ mit beißendem Humor. Sehr präzise agieren die Instrumentengruppen, sie gestalten mit großem Fluss und Klangpracht. Sehnsüchtig besingt Altistin Schirin Partowi im vierten Satz mit ruhig geführter Stimme die Sphäre des „Urlichts“ nach einem Gedicht aus „Des Knaben Wunderhorn“: „Ich bin von Gott und will wieder zu Gott“ ist die Wendung vom Hadernden zum Glaubenden, vom Leben mit seinen Wirren zum ewigen Leben bei Gott. Doch das Finale greift noch einmal alle Stationen auf: Trauermarsch und Aufschreie, Signale und Vogelrufe. Ein kleines Orchester aus Hörnern, Trompete und Schlagwerk ruft aus der Ferne, vor den Saaltüren gespielt, zum Appell, bevor mit unglaublicher Wucht die donnernden Pauken Tote wecken.

In das entsetzte Lamento bricht leise der Choral des Chores: „Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du“. Der Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal, der Chor der Uni Köln und der Chor der Uni Witten/Herdecke singen die hoffnungsfrohe Weise mit intensivem Ausdruck, begleitet und unterbrochen von Alt und Solo-Sopran (Myung-Hee Hyun).

Mit „Sterben werd’ ich, um zu leben“ bannt Mahlers Musik die Schrecken des Todes, klingt das grandiose Werk kraftvoll und zuversichtlich aus. Stehend gespendeter Applaus, lautes Pfeifen und Trampeln und Bravo-Rufe zeigen die Begeisterung des Publikums, in dem sich diesmal auch viele junge Zuhörer befinden.

Brillante Klangfarben – von Stefan Corssen | Kölnische Rundschau | 07.06.2011

Über 100 Zuhörer konnten im Lindlarer Kulturzentrum ein begeisterndes, mitreißendes Konzert mit russischer Musik erleben. Dirigent Ingo Ernst Reihl und das Junge Orchester NRW spielte Dmitri Schostakowitschs Suite „Die Hornisse“.

Von ganz zart bis ganz hart – es ist eine Musik, die keine halben Sachen kennt. Mit Dmitri Schostakowitschs Suite „Die Hornisse“ hatte sich das Junge Orchester NRW und sein Dirigent Ingo Ernst Reihl ein völlig unbekanntes Stück Konzertliteratur vorgenommen. Die „Bilder eine Ausstellung“ von Modest Mussorgski, in der Orchesterfassung von Maurice Ravel, sind dagegen ein echter Ohrwurm. Über 100 Zuhörer konnten am Sonntagnachmittag im Lindlarer Kulturzentrum ein begeisterndes, mitreißendes Konzert mit russischer Musik erleben.

Die Suite von Schostakowitsch aus dem Jahr 1955 – eigentlich eine Filmmusik – dreht sich um Liebe und Glaube, um Intrigen und Revolution.

Doch die großen Gefühle – ein bisschen zu dick aufgetragen – sind immer auch ironisch gemeint. Die zwölf Sätze tragen harmlose Titel wie „Introduktion“ oder „Intermezzo“, die Musik ist alles andere als harmlos. Gefordert ist ein breites Spektrum an Klangfarben – eine Forderung, die die jungen Musiker bestens erfüllen. Nach einem dramatischen Auftakt folgen naive Walzerklänge, bevor die Soloklarinette zu einem atemberaubenden Galopp ansetzt. Mit äußerster Präzision und einem sehr schönen Gefühl für die Dynamik stellen die 82 jungen Musiker des Orchesters ihr Können unter Beweis. Dirigent Ingo Ernst Reihl – im Zivilberuf Musikdirektor an der Universität Witten-Herdecke – springt in die Höhe, feuert seine Schützlinge an und ist mit solcher Leidenschaft bei der Sache, dass ihm schließlich sogar der Taktstock im hohen Bogen aus der Hand fliegt. Da müssen selbst die Musiker schmunzeln.

Ob „Gnomus“, „Bydlo“ oder die immer wiederkehrende Promenade – die „Bilder einer Ausstellung“ kennt jeder Klassikfreund. Doch Reihl und seinem Orchester gelingt es, das Werk dennoch frisch und überaus plastisch klingen zu lassen. Der Gnom hüpft fratzenschneidend durch den Saal, der schwere Ochsenkarren zieht in stoischem Gleichmaß von dannen. Beim quicklebendigen Ballett der Küchlein in den Eierschalen wird der Spaß der Musiker überdeutlich. Die böse Hexe Baba Jaga saust in wilden Sprüngen durch den Wald, bevor mit dem großen Tor von Kiew das Konzert seinen majestätischen Ausklang findet.

Junges Orchester NRW setzt neue Maßstäbe – von Beate Theyssen | Westfälische Nachrichten |  30.01.2011

Neue Maßstäbe setzte das Junge Orchester NRW mit der Aufführung des Sinfoniekonzertes „Zwischen Himmel und Erde“ unter der Leitung von Ingo Ernst Reihl am Samstagabend. Im Bocholter Stadttheater präsentierten sich die etwa 100 jungen Musiker in hervorragender Konstitution und boten vor fast ausverkauftem Haus einen exzellenten Hörgenuss zwischen „Natur und Mythos, zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, zwischen Himmel und Erde“, so der musikalische Leiter Reihl.

Mit seinem „irdischen“ Charakter führte die „Pastorale“, die Sinfonie Nr. 6 F-Dur, op. 68 von Ludwig van Beethoven, die gebannt lauschenden Zuhörer in die Natur, ließ sie vor allem im 2. Satz (Szene am Bach. Andante molto moto) teilhaben am Gesang der Nachtigall (Flöte), dem Ruf der Wachtel (Oboe), des Kuckucks (Klarinette) und des friedvollen Bachgeplätschers, das von den Violinen, Bratschen und Celli sanft nachempfunden wurde.

Durch das im dritten Satz einsetzende Gewitter erfuhr das Werk eine dramaturgische Steigerung, die unter anderem den Schlagzeugern einiges abverlangte. Sanft verebbte der Gewittersturm in einem fast choralartigen, versöhnlichen Schluss und stellte das Gleichgewicht der Natur wieder her.

Der Wettstreit der Gestirne, „Die Planeten“ von Gustav Holst, prägte den zweiten Konzertteil, der imposant mit Holsts Interpretation des Planeten Mars begann. Gewaltig und dynamisch riss der Satz die Zuhörer mit, vermittelte die Präsenz eines anmaßenden Kriegsgottes durch einen düsteren, bedrohlich treibenden Marschrhythmus und bescherte dem Publikum den Höhepunkt des Abends.

Fast schon bedauerlich aber nicht weniger hervorragend schloss sich an das von maskuliner Stärke geprägte Allegro das besinnlich weibliche Adagio der Venus an. Die Harfe unterstütze das mystische Bild der Friedensbringerin voller Ästhetik und Schönheit. Der Wechsel von Tonart und Dynamik charakterisierte dem Merkur als geflügelten Boten Gottes während die volle orchestrale Wucht mit Jupiter die Freude geradezu hymnisch ins Stadttheater einziehen ließ. Der triumphale Glanz verblasste vor dem Bringer des Alters, dem Saturn. Als Symbol der Vergänglichkeit überwogen tiefe Töne und Bässe in gemäßigten Tempi und verhießen friedvolle Erlösung.

Einen neuen Aufbruch versprach der Magier Uranus, dessen individueller, freiheitsliebender Charakter vom Orchester beim Allegro perfekt getroffen wurde. Geradezu experimentell endete die Vorstellung der sieben bis dahin bekannten Planeten mit Neptun. An der Schwelle zum Jenseits verschwanden die Grenzen, die Melodie löste sich auf und mit sphärischen Klängen entfernte sich auch die Musik in die Unendlichkeit. Dem Jungen Orchester NRW und Ingo Ernst Reihl ist es gelungen, ein grandioses Werk auf die Bocholter Bühne zu bringen, das hoffentlich nicht das letzte gewesen sein wird.

Idylle und Naturgewalt – von Carolin Bietzker | Kölner Stadt-Anzeiger |  21.06.2010

Luftige Holzbläser entschärften sanft den übermächtigen Einsatz des Blechs. Insgesamt war die Interpretation von „Finlandia“ ein berauschender, wenn auch kurzer Einstieg in einen üppig schwelgenden Konzertabend.

„Das Junge Orchester NRW“ feiert Jubiläum, und das Publikum auf Burg Langendorf durfte daran teilhaben. Mit einem aufsehenerregenden Programm warteten die Künstler am Samstag in der Remise der Burg auf. Vor vollbesetzten Rängen spielten sie Werke von Jean Sibelius und Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Vor 25 Jahren versammelte Ingo Ernst Reihl Schüler, Studenten und junge Berufstätige zu Probenarbeiten und trat bereits ein Jahr später mit drei sinfonischen Programmen auf. Reihl selbst war damals 15 Jahre alt! Seither leitet er ohne Unterbrechung das Junge Orchester NRW und begeisterte auch das Langendorfer Publikum nicht zum ersten Mal. 80 Musiker fanden auf der Bühne in der Remise noch gerade so Platz, um das Publikum mit „Finlandia“ op. 26, einer sinfonische Tondichtung für großes Orchester von Jean Sibelius zu verzaubern.

Sibelius schrieb 1899 eine wahre Liebeserklärung an seine Heimat Finnland, träumte darin von der einsamen Landschaft und der stillen Schönheit der vielen Seen. Kräftige Marschrhythmen und derbe Fanfaren versetzten die Zuhörer auf ein finnisches Volksfest.

„Das Junge Orchester NRW“ ließ einfühlsam eine etwas schwermütige Note durchklingen. Zarte Melodien wurden von einem unterschwelligen Rumoren eingetrübt. Die Musik wurde mitunter ohrenbetäubend laut und sprengte hin und wieder, sehr zum Leidwesen der Streicher, die akustischen Kapazitäten der Remise.

Idylle und Naturgewalt lagen hier dicht beieinander. Luftige Holzbläser entschärften sanft den übermächtigen Einsatz des Blechs. Insgesamt war die Interpretation von „Finlandia“ ein berauschender, wenn auch kurzer Einstieg in einen üppig schwelgenden Konzertabend.

Überaus beeindruckend ging es weiter. Pia Grutschus spielte den Solopart im Violinkonzert in d-Moll op. 47, ebenfalls von Jean Sibelius. Sehr ausdrucksstark musizierten Orchester und Solistin, griffen den markanten Charakter der Komposition auf und ließen die skandinavische Romantik zur Entfaltung kommen.

Unglaublich virtuos war dabei das Geigenspiel der 26-jährigen Pia Grutschus. Mit viel Hingabe widmete sie sich der Musik, versank in den Klängen und musizierte mit unerschrockenem Einsatz – manchmal auch auf Kosten der Intonation.

Freud- und leidvolle Stimmungen setzte die in Pirmasens geborene Künstlerin liebevoll um, begeisterte mit einem zauberhaften Ton in allen noch so abenteuerlichen Tonlagen. Dabei stellte sie die spieltechnischen Besonderheiten nahezu akrobatisch dar.

Die Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski nahm die gesamte zweite Hälfte des Konzertes in der Remise ein. Geradezu apokalyptisch brach der erste Satz herein. Der Saal bebte, die Musiker des Jungen Orchesters NRW gaben alles.

Volkstümlich derb wurde es vor allem im Schlusssatz, der sich lärmend aufbrausend verabschiedete. Dazwischen lag ein Andantino, das von einer reizenden Oboen-Kantilene eingeleitet wurde und vom Orchester innig und in vielfältiger Harmonik fortgeführt wurde.

Klangvoll und präzise zupften die Streicher das neckische Scherzo, einen kompletten Pizzicato-Satz. Ingo Ernst Reihl dirigierte die mächtigen Werke mit großer Intensität und sportlichem Einsatz, dass es eine Freude war, ihm zuzusehen. Mal tanzte er, mal schwelgte er, mal schien er seine Musiker erstechen zu wollen. Er holte aus seinen jungen Orchestermitgliedern wirklich alles heraus. Der rauschende Beifall wollte kaum enden.

Carl Wolf war gefeierter Solist – von Dietmar Fratz | Kölnische Rundschau |  01.03.2010

Der Auftakt der diesjährigen Klassik-Abo-Reihe der BM-Cultura und des Bergheimer Volkschores gelang nach Maß. Mit dem 1976 geborenen Wahlschweizer Carl Wolf, der in Bergheim aufgewachsen ist, und dem Jungen Orchester NRW spielten ebenso engagierte wie technisch brillante Musiker im Bergheimer Medio Rhein-Erft.

Über 600 Zuschauern konnte BM-Cultura-Geschäftsführer Stefan Holzportz „das beste Abo-Programm“ ankündigen, „das es im Medio je gegeben hat“. Und das erste Konzert gab ihm recht. Brahms Klavierkonzert Nr. 1 eröffnete das Orchester mit gedämpfter Stimmung aus der Streicherabteilung. Von der Anlage her eher eine Sinfonie mit Klaviersolo denn ein Klavierkonzert, mischten sich die Zuständigkeiten in der Themenbearbeitung gefällig durch die Partitur. Dabei betraute Brahms den Pianisten mit der Aufgabe, die Stimmungswechsel im Werk anzuführen.

Mit großer Übersicht und bestechender Spielkultur zog Wolf dynamisch und unwiderstehlich die Dramatik an und führte ergreifend zur Einkehr zurück. Das von Ingo Ernst Reihl zupackend geleitete Orchester folgte dem großen und den vielen kleinen Spannungsbögen willig. Das musikverliebte Ensemble ging dabei keineswegs ungestüm zu Werke. Dennoch hatte Wolf hin und wieder Mühe, sich gegen den über 50 Musiker starken Klangkörper durchzusetzen, ließ sich zum Glück jedoch nicht beirren in seinem kultivierten Tun, das dem Publikum einen weichen, nie plärrenden Diskant, klar zeichnende Mittellage und kernige Basslage bescherte, mit ebenmäßigem Laufwerk klangschön dekoriert.

Frenetischer Applaus des Bergheimer Publikums für „seinen“ Pianisten war verdienter Dank, den Wolf mit dem hinreißenden Kopfsatz der Beethovenschen Mondschein-Sonate quittierte. In der Pause bildeten sich im Foyer lange Schlangen, als Wolf seine neue CD signierte.

Nach der Pause, vor leicht gelichteten Publikumsreihen, spielte das um ein weiteres Dutzend Musiker aufgestockte Orchester Schostakowitschs 10. Sinfonie, eine Verarbeitung des 1953 zu Ende gegangenen Stalin-Regimes. Martialisch, schmerzlich, befreiend, orientierungslos und trotzig blickte der Komponist auf den politischen Umbruch. Das Orchester durchmaß die ganze Breite der Ausdrucksmöglichkeiten, derer der riesige Apparat mit acht Hörnern, einem halben Dutzend Schlagwerkern und Bläsern von Piccolo bis Kaiserbass-Tuba mächtig war. Saubere Streicher, bestechende Holzbläser und eine mit winzigen Abstrichen profunde Blechriege verhalfen dem Werk zu fulminanter Kraft.

Der Stoff ist für ein junges Ensemble aus Jung-Profis und Amateuren recht schwierig, dennoch kam das Orchester mit erfreulicher Ausdauer und einer einzigartigen Balance zwischen Spontanität und Abgeklärtheit dem vielschichtigen Werk inhaltlich bei.

Das Orchester, 1985 vom damals 15-jährigen Reihl gegründet, überraschte in seiner Zugabe mit vierstimmigem Gesang. Hatte das Ensemble vor zwei Jahren beim Medio-Konzert eine Dvorák-Melodie mit Streicherbegleitung gesungen, gelang ihnen diesmal ein Rachmaninoff-Choral, wohlig sekundiert vom Blechbläserquartett.

Eine Meisterleistung – von Börries Hornemann | Der Westen |  03.02.2010

Als der letzte Ton verklungen war, wollte keiner mit dem Applaus aufhören. Trotz widriger Wetterverhältnisse waren viele Menschen zur Uni gekommen, um „Das junge Orchester NRW” zu hören – und sie wurden reich beschenkt. Orchestergründer Ingo Ernst Reihl holte Höchstleistungen aus seinem Ensemble.

Mit dem sagenhaft schwierigen Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll von Johannes Brahms kam das Orchester schnell in Schwung. Carl Wolf, der gebürtige Kölner Pianist, der schon öfters mit dem jungen Orchester gespielt hat, bekam bei diesem Konzert der Extraklasse viel zu tun: Am Flügel mit einem großen Orchester mitzuhalten, in dem alleine fünf Kontrabässe spielen, ist Schwerstarbeit. Und wie er schuftete: Mit ganzem Körper schien Wolf sich in die Tasten zu werfen, um dem Instrument die effektvollen, knallenden Akkorde zu entlocken.

Gleichwohl blieb der Lockenkopf differenziert und ausdrucksrein, verhaspelte sich nie in seinen schnellen Läufen. Bei den leisen Szenen aber brachte er erst sein ganzes Können in den Vordergrund. Sanft, ja lammfromm und voller Empfinden breitete er seine Melodien aus. Das starke Orchester reagierte exakt auf Reihls Dirigat. Brahms, dem besonders für den Flügel, aber auch im Orchesterklang höchste Dichte gelungen ist, lässt den Solisten mit rasenden Melodielinien tanzen. Und Carl Wolf gelang es, den Tanz in allen Drehungen und Wendungen zu vollführen.

Nach der Pause sollte das Orchester diesen Klang noch steigern, indem es die 10. Symphonie von Dmitrij Schostakowitsch spielte. In kaum aushaltbarer Klangfülle und Intensität schraubten sich die Jugendlichen zur gelungenen Vollendung ihrer Meisterleistung. Dabei wurde es sehr laut – mit acht Hörnern, vier Trompeten, fünf Musikern am Schlagwerk auch kein Wunder. Ingo Ernst Reihl kann stolz sein. Was er mit dem jungen Orchester NRW vor 25 Jahren anregte, zeigt sich jetzt in vollster Blüte.

Das „Junge Orchester NRW“ glänzt in der Remise – 20.05.2009 | Kölnische Rundschaur

Das Junge Orchester NRW eröffnete die Konzertsaison auf Burg Langendorf. Vor allem Annette Walther machte als Solistin auf der Violine nachhaltig auf sich aufmerksam.

Wenn der Saison-Verlauf dem Auftakt entspricht, hat die Manfred Vetter-Stiftung alles richtig gemacht: Jedenfalls war die Remise zum saisonalen Auftaktkonzert des Jungen Orchesters NRW (DJO) und der Solistin Annette Walther (Violine) vollbesetzt.

Das Orchester gastierte bereits zum dritten Mal im malerischen Burg-Gemäuer und hat offenbar mit den beiden vorangegangenen Debüts eine erkleckliche Zuhörer-Gemeinde für sich gewinnen können. 2009 sei das Jahr der „Jubilare der Musikgeschichte“, erklärte Dirigent Ingo Ernst Reihl, an den 250. Todestag Händels und den 200. Joseph Haydns erinnernd. Das Orchester hatte sich jedoch für die Aufführung von Werken Felix Mendelssohn-Bartholdys entschieden, des dritten Jubilar-Komponisten (und Pianisten), der vor 200 Jahren in Hamburg das Licht der Welt erblickte. Aus der Fülle Mendelssohn’scher Werke hatte sich das Ensemble für die Aufführung der Ouvertüre zu „Ruy Blas“ (C-Moll) opus 95, dem Konzert für Violine und Orchester (e-Moll) Opus 64 und der (Schottischen) Sinfonie Nr. 3 (a-Moll) Opus 56 entschieden. Das Junge Orchester NRW wurde 1985 von musikbegeisterten Jugendlichen und dem damals erst 15 Jahre alten Dirigenten Ingo Ernst Reihl gegründet, der es bis heute führt. Das keiner Institution unterstehende Ensemble fühlt sich noch immer dem Rhein / Ruhrgebiet verbunden, „nicht aber einer Stadt“. Zu Markenzeichen des DJO wurde vor allem das sinfonische Repertoire der Romantik und Spätromantik – in diesem Zusammenhang darf daran erinnert werden, dass Mendelssohn-Bartholdy nicht zuletzt als „geistvoller Vertreter der deutschen Romantik“ gesehen wird. Kritiker loben das Orchester insbesondere für seine Begleitung von Solisten. Beim dritten Remisenkonzert präsentierte sich die 1978 in Hagen geborene Solistin Annette Walther (Violine) mit dem DJO. Sie begann vierjährig mit dem Geigenspiel, erhielt ihre Ausbildung bei namhaften Lehrern im In- und Ausland und schloss diese mit Diplomen und Auszeichnungen ab.

Fulminantes Allegro molto – von C. Bietzker | Kölner Stadt-Anzeiger | 18.05.2009

Das Junge Orchester NRW eröffnete die Konzertsaison auf Burg Langendorf. Vor allem Annette Walther machte als Solistin auf der Violine nachhaltig auf sich aufmerksam.

Das Junge OrchesterNRW zeigte beim Saisonauftakt auf Burg Langendorf wie immer eine sehr ansprechende Leistung. Daran hatte Dirigent Ingo Ernst Reihl einen nicht unwesentlichen Anteil.

Saisoneröffnung in Langendorf! Mit einem fulminanten Konzert des Jungen Orchesters NRW begann am Samstagabend die neue Spielzeit in der Remise der Burg Langendorf. Ein ausverkauftes Haus erfreute den Veranstalter Manfred Vetter und ließ ihn optimistisch in die nahe Zukunft blicken. Für langjährige Besucher der Burg-Konzerte war es wie ein Wiedersehen mit alten Freunden. Zwar wechselt die Besetzung des Jungen Orchesters NRW immer mal wieder. Doch Dirigent Ingo Ernst Reihl, der das Ensemble 1985, damals als 15-Jähriger, selbst gründete, ist von so unglaublicher Präsenz auf dem Podest, dass die Zuhörer ihn sofort wiedererkannten.

Wie so viele Musiker in diesem Jahr widmete auch das Junge Orchester sein Programm Felix Mendelssohn-Bartholdy, der vor 200 Jahren geboren wurde. Der Konzertabend auf der Burg war ein ganz besonderer Genuss, denn mit Annette Walther spielte als Solistin eine hochbegabte Geigerin. Ihre Interpretation von Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester e-moll op.64 faszinierte und beglückte das Publikum gleichermaßen. Sie verband technische Perfektion mit großer Leidenschaft und Herzenswärme, strich vor allem im Andante mit rührender Zärtlichkeit über die Saiten und versah höchste Virtuosität mit edler Anmut.

Schon beim außerordentlich gesanglichen Hauptthema dieses berühmten Werkes aus dem Jahr 1844 gab sich Annette Walther direkt und unkompliziert, schwelgte in müheloser Melodieseligkeit und versank dann in romantischer Verträumtheit. Sehr virtuos wurde es im Finale, einem Allegro molto vivace, in dem die 31-jährige Geigerin groß aufspielte, ohne jedoch die Ausgewogenheit zwischen Solistin und Orchester zu sprengen.

Auch das Junge Orchester NRW hatte es sich mit dem Mendelssohn-Abend nicht leicht gemacht. Das ließen sich die Musiker allerdings keineswegs anmerken. Sie verwöhnten das Publikum vielmehr mit unbeschwerter, stimmungsvoller und teilweise sehr voluminöser Musik. In der Ouvertüre zu dem Stück „Ruy Blas“ c-moll op. 95 schöpfte Mendelssohn-Bartholdy aus dem Vollen. Nach einem kurzen, sanften Lento dehnte sich wuchtig und erhaben ein aufgewühltes Allegro molto aus, das den Saal auf Burg Langendorf beben ließ.

Mit großem Engagement schufen die jungen Künstlerinnen und Künstler damit gleich zu Anfang eine enorme Spannung und setzten einen ganz und gar unbescheidenen Maßstab für den restlichen Abend. Da passte die „Schottische Sinfonie“ Nr. 3 a-moll op. 56 gut ins Programm, das wohl bedeutendste sinfonische Werk Mendelssohns. In der Zugabe, einem Stück aus dem Oratorium „Elias“, bei dem sich Teile des Orchesters als Chor prächtig profilierten, überzeugte die Remise akustisch dann zudem noch als guter Aufführungsort für große Vokalwerke.

Grandioses Gastspiel zum Geburtstag – von B. Hornemann | WAZ | 18.05.2009

Zum Tag der offenen Tür an der Uni gab „Das Junge Orchester NRW” ein grandioses Gastspiel.

Happy Birthday, Felix! – so lautet die Botschaft des Programms. Zum 200. Geburtsjahr spielen die jungen Musiker aus der Rhein-Ruhr-Region ein reines Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Konzert. Die Halle der Universität ist voll besetzt, als die schwerfälligen Eingangsakkorde der Konzertouvertüre „Ruy Blas” erklingen. Gleich zeigt sich Mendelssohn’sche Raffinesse der Musikform – der dichte Orchestergesamtklang wechselt schlagartig mit filigranen Pizzicato; Streicher und Bläser umspielen einander.
Anschließend hat Annette Walther ihren großen Auftritt. Die junge Profigeigerin aus Hagen setzt mit sattem Schwung ihre Violine an. Das Violinenkonzert e-moll op. 64 beginnt mit klagenden, bis zum Wehschrei sich artikulierenden Bögen. Der dramatische Wechsel zwischen kräftigem Solo und einsetzendem Orchester gelingt dem Jungen Orchester grandios. Annette Walther findet eine überzeugende Vielfalt mit sanften, dann unmittelbar in kräftige Aufgänge wechselnde, fast anklagenden Tonfolgen, ehe sie den Bogen flirrend über die Seiten wogen lässt.

Ihr großes Plus für dieses Solokonzert ist ihre vielfältige Expressivität, in allen Lagen, ob Pianissimo oder Fortissimo. Der tänzerische Satz, bei dem Mendelsohn ungarische klingende Elemente verwendet, könnte noch ausgekosteter gespielt werden.

Nach einer Pause geht es weiter mit einem besonderen Kleinod Mendelssohn’scher
Komponierkunst. Die dritte Sinfonie trägt den Beinamen „Schottische”. Das drückt sich in ihren musischen Landschaftsbeschreibungen aus.

Dirigent Ingo Ernst Reihl hält das Tempo anfangs gekonnt zurück, so dass die
explosionsartigen Verstärkungen eine umwerfende Wirkung entfalten. Das Orchester zeigt sich als wunderbar ausgeglichen. Die geheimnisvoll sakralen Melodien, ungreifbar und fast entrückend, werden von Quellwasserklaren Bläserstimmen verwandelt. So spielt die Sinfonie ständig zwischen ernst und heiter, zwischen sanft und wild. Das junge Orchester vermag so transparent zu spielen, dass die Tiefen der Komposition wie „sichtbar” dem Zuhörer entgegenklingen.

Ein Glück, dass Ingo Ernst Reihl sein Orchester immer wieder nach Witten einlädt.

Zeichen unbändiger Energie und Schaffenskraft – von T. Schultz | Süddeutsche Zeitung | 22.01.2009

Von Agonie ist hier nichts zu spüren, auch wenn der Uni-Chor am Sonntagabend ausgerechnet, ganz in Schwarz gehüllt, das Verdi-Requiem vortrug. „Tag der Tränen, Tag der Wehen.“ Der Abend war seit langem geplant, und so schallt es nun durch die große Halle: „Weh! Was werd ich Armer sagen, welchen Anwalt mir erfragen, wenn Gerechte selbst verzagen?“ […]

Als Metapher für die Morbidität der Hochschule [Universität Witten/Herdecke, Anm.d.Red.] taugt der Abend aber doch nicht. Er wird eher zum Zeichen unbändiger Energie und Schaffenskraft. Musikdirektor Ingo Ernst Reihl springt beim Dirigieren auf und ab, er ballt die Faust, er schwebt mit ausgebreiteten Armen beinahe in der Luft. Am Ende hebt der Chor an zum großen Libera me. Befreie mich.

Feine Klänge und brachiale Pauken – von Börries Hornemann | WAZ | 19.01.2009

Große Werke brauchen gebührenden Platz. In der Aula der Universität kamen „Das junge Orchester NRW” und Uni-Chor jetzt zu einem Mammutprojekt zusammen. Mit dem Versuch, zwei sehr unterschiedliche Stücke miteinander zu verbinden, wurde Ingo Ernst Reihl, Universitätsmusikdirektor und Gründer des jungen Orchesters, seines exzellenten Musikerrufes gerecht. Unter Beisein des japanischkoreanischen Komponisten Kunsu Shim (50) erklang die Uraufführung seines „Steinschlag.Zeit”, dessen Titel sich auf Paul Celans „Sommerbericht” bezieht – ein auf Klang konzentriertes Meisterwerk mit noch nie gehörten Akkorden.

Durch die ungewohnten Tonkonstellationen konnte Klang als solcher in großer Dichte erlebt werden. Sanfte, vibrierende Akkorde, fernöstlich anmutend, aber nicht klar zu verorten, wechselten mit sehr lauten Passagen. Wie ein tastendes Fragen und brüllendes Antworten. Das im Raum verteilte Schlagwerk wartete immer wieder mit brachialen Herzinfarkt-gefährdendem Fortissimo auf – die Vorabwarnungen des Dirigenten waren nicht übertrieben.

Nach dem Verklingen des ersten Teils von „Steinschlag.Zeit” war die Aufmerksamkeit maximal aufs Hören eingestellt. Sehr passend für das nun folgende „Messa da Requiem” von Giuseppe Verdi. Mit feiner Geste entlockte Reihl seinem Orchester und Chor ein äußerst hohes Niveau. Die vier Solisten aus Litauen fanden einen Glanzeinstieg in das Requiem. Die Sopranistin wurde spontan von der erfahrenen Sängerin Christiane Alexander vertreten. Das voluminöse „Dies Irae” umfasste vor der Pause von fein-sakralem bis filmmusisch-wuchtigem alle Facetten. Nach der Pause sorgten die gelungenen Duett-, Trio- und Quartettgesänge der Solisten für Glanzpunkte. Aber auch der Chor – für so genannte Laien ist das ein herausragendes Niveau. Ganz besonders beeindruckte das „Agnus Dei”, das Duett zwischen Sopran und Alt mit Choreinsprengseln, das auch in der Zugabe Wiederholung fand.

Vor dem Finale „Libera me” erklang Teil zwei von Kunsu Shim. Wieder erschütterten kräftige Pauken den Saal. Schwierigste Harmonien, anfangs als disharmonisch empfunden, wandelten sich durch ihre Wiederholungen in nachempfindbare Klanggebilde. Ein erstaunliches Konzert: Die jungen Musiker sind selbst solch einer Uraufführung gewachsen. Das Publikum in der Universität belohnte das Ensemble mit stehenden Ovationen. Der Applaus hallte noch lange nach.

Den Raum zum Klingen bringen – WAZ | 29.04.2008

Die gigantischen Ausmaße der Kraftzentrale des Landschaftsparks sind nicht nur für Theatermacher, sondern auch für Komponisten eine Herausforderung. Wie bringt man den großen Raum zum Klingen? Wie kann man mit dem Raum spielen? Den Dimensionen der Halle angemessen war nun auch das Projekt „What you love“, das im Rahmen des WDR- Musikfestes Werke von Dieter Schnebel, Kunsu Shim und Gerhard Stäbler kombinierte.

Musik der Stille bestimmte den ersten Teil. Dieter Schnebels Schubert-Phantasie für geteiltes Orchester benutzt Franz Schuberts Klaviersonate G-Dur op. 78 als musikalisches Material. Vor dem Hintergrund von zart-flirrenden Streicherklängen, die wie ein weißes Rauschen das ganze Werk durchziehen, schallen Schubert-Melodien herein.

Kunsu Shims zweiteiliges „Steinschlag.Zeit“, das die Schubert-Phantasie umrahmte, geht auf anderem Weg mit der Stille um. Klänge sind hier immer nur Einzelereignisse, werden von langen Pausen unterbrochen, die oft länger anhalten als die Akkorde dazwischen. Unter der musikalischen Leitung von Ingo Ernst Reihl bot „Das Junge Orchester NRW“, das hier gemeinsam mit Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker und der Musikfabrik NRW spielte, nicht nur eine starke Konzentrationsleistung, sondern betonte immer wieder auch die klanglichen Schönheiten der Kompositionen.

In der Sappho-Trilogie erhielt Reihl dann noch Unterstützung von zwei Co-Dirigenten. Die Musiker waren in zwei große Orchester unterteilt, dazu gesellten sich zwei Chorgruppen und ein Kinderchor aus der Ferne. Im Zentrum der Aufführung stand jedoch, vom Publikum und allen Chören und Orchestern umgeben, die Sopranistin Salome Kammer.

Gerhard Stäbler hat hier Textfragmente der altgriechischen Lyrikerin Sappho in der Originalsprache vertont. Der Fragmentcharakter der Werke spiegelt sich in seiner Vertonung durch die vielen Brüche wider. Das Publikum in der voll besetzen Kraftzentrale zeigte sich von diesem Großprojekt begeistert und spendete großen Beifall.

Junges Orchester leistet Großes – WAZ | 22. Januar 2008

In Sinfonien von Mozart und Dvorák sorgen Blasinstrumente für klangvolles Raumerlebnis. Unter Leitung von Ingo Ernst Reihl präsentieren sich die Musiker als eingespieltes Ensemble.

Der Dirigent großer Orchester steht für gewöhnlich erhöht auf einem Podest, um alles überblicken zu können. Beim ersten Stück des Konzerts vom Jungen Orchester NRW in der Universität Witten stand Ingo Ernst Reihl ebenerdig, wodurch er mit den Solisten auf einer Ebene agierte.

Gespielt wurde Mozarts Sinfonia Concertante für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Die vier Solisten standen nah um den Dirigenten, so wurde eine dichte Atmosphäre geschaffen. Das Stück bietet Wohlklang pur, wobei Mozart in prägnanter Weise die jeweiligen Eigenheiten der Soloinstrumente auskomponiert hat. So verweben sich die vier Stimmen in Auf- und Abgängen, sich gegenseitig begleitend. Das Orchester nimmt eine untergeordnete Rolle ein. Die Solostimmen, als Studenten noch Laien, aber auf dem besten Wege in ein musikalisches Berufsleben, beeindruckten stark. Das Horn als rufendes Instrument, die Oboe zartfühlend singend, das Fagott nobel-majestätisch, während die Klarinette in heiterschwungvoller Färbung ertönte. Besonders letztere setzten Akzente durch ausgesprochene Professionalität. Das folgende Werk, Edward Elgars „Enigma”, strahlt eine geheimnisumwitterte Stimmung aus. Die 14 Variationen mit unterschiedlichsten Charakteren reichen von gefühlvollen, eingängigen Melodien im Piano bis zu schmetternden Bläserfanfaren im Fortissimo. Das Junge Orchester präsentierte sich als hervorragendes Ensemble, in Präzision und Perfektion einem professionellen Sinfonieorchester nicht nachstehend. Dadurch, dass Ingo Ernst Reihl das Orchester 1985 selbst begründet hat und ihm seither als Dirigent vorsteht, ergibt sich eine besondere Fühlung.

Nach kurzer Pause erklang Dvoráks bekannteste Sinfonie (Nr. 9 e-moll), die den prägnanten Beinamen „Aus der neuen Welt” trägt. Das Werk entwickelte ein Raumerleben, das besonders durch die in ihren Soli auffallend zart spielende Flöte erzeugt wurde. Der zweite Satz, durch die landschaftsmalenden Sequenzen des Englischhorns eingeleitet, breitet die ganze Kraft des musikalischen Gehalts der Sinfonie aus. Verzaubernd anmutig, weit und erhaben füllte es die Aula der Uni. Das Orchester hat Großes geleistet. Im Anschluss gab es einen Umtrunk, ermöglicht durch den neuen Orchestersponsor, der exklusive Weine vermarktet.

Der Dirigent Ingo Ernst Reihl war bei der Gründung des Jungen Orchesters erst 15 Jahre alt. Seither leitet er das Instrumentalensemble. Im Osten Europas, vor allem in Belarus ist er als Dirigent diverser Orchester aufgetreten. An der Universität Witten arbeitet der gebürtige Mühlheimer seit 1990.

Schon zur Pause fordern die Zuhörer begeistert Zugaben – Aachener Zeitung | 06.07.2007

Junges Orchester NRW mit Klassik und jazz in Remise von Burg Langendorf

LANGENDORF. Leider kann man Töne nicht in Worten wiedergeben. Beim Konzert des Jungen Orchesters NRW in der Remise auf Burg Langendorf geizten die Zuhörer im fast ausverkauften ehemaligen „Kutschen-Stall“ nicht mit wohl verdientem Applaus. Die Solisten Carl Wolf (Klavier) und Jan Vollmann (Trompete), die gemeinsam mit dem Orchester das Klavierkonzert Nr. 1 von Dimitrij Schostakowitsch aufführten, durften bereits zur Pause Zugaben spielen.

Hausorchester
Ingo Ernst Reihl, der 1985 als 15-Jähriger das Junge Orchester NRW gegründet hatte und ihm seitdem als Dirigent vorsteht, freute sich, Carl Wolf, den „Haussolisten“ der Remise, als „Hausorchester“ begleiten zu dürfen. Das Programm passe zu dem ungewöhnlichen Spielort, betonte Reihl. So wurde den Zuhörern Igor Strawinskys „Pulcinella Suite“ und die Sinfonie Nr. 45 von Joseph Haydn auf melodiöse und wohlklingende Weise dargeboten.

Quartett begleitet
Das Orchester begleitete das Jazzquartett mit Florian Esch (Trompete), Martin Drazek (Klavier), Michael Kehraus (Bass) und Bernd Oeszevim (Schlagzeug) bei Claude Debussys „L‘apres-midi dune faune“, das Christopher Meux für Streichorchester und Jazzquartett arrangiert hatte. „Eine Verjazzung eines von mir so hoch verehrten Stückes“ kam für Christopher Meux nicht in Frage: Debussy sollte im Vordergrund bleiben. Der Applaus bewies, .dass dem Publikum die jazzige Variante des klassischen Stücks gefiel. Nicht nur musikalisch, sondern auch dramaturgisch stilsicher inszeniert war die „Abschiedssinfonie“ von Joseph Haydn. Die Musiker, die „fertig“ waren, verließen die Bühne, und schließlich brachten die Geiger ohne Dirigent das Stück bravourös zu Ende. Ernst Reihl, der seit 2001 als Professor an der Staatlichen Musikakademie Belarus tätig ist, zeigte beim Dirigieren vollen Körpereinsatz. Gemeinsam mit den Musikern des Jungen Orchesters NRW bot er den Zuhörern in der Remise einen musikalischen Abend, der in keinem Konzertsaal einer Metropole schöner hätte sein können.

Junges Orchester mit ungewöhnlichem Auftritt – Kölnische Rundschau | 05.06.2007

Musiker aus Nordrhein-Westfalen gaben in der Remise von Burg Langendorf ein tolles Gastspiel

LANGENDORF. ‚Es ist schwer, nach einem ungewöhnlichen Konzert noch eine ungewöhnliche Zugabe zugeben‘. erklärte Dirigent Ingo Ernst Reihl nach dem Auftritt des ‚Jungen Orchesters NRW‘ auf Burg Langenfeld. Doch zuvor genossen die Zuschauer in der ausverkauften Scheune ein wirklich ungewöhnliches Konzert. Und auch das Orchester kann man mit dem Prädikat ‚ungewöhnlich‘ bezeichnen. Gegründet wurde das Ensemble 1985 durch Ingo Ernst Reihl, der damals studierte – und gerade einmal 15 Jahre alt war. Zur Spezialität der Musiker gehören Werke der Romantik und Spätromantik. Bis heute legt das Orchester wert darauf, eigenständig zu sein und keiner Institution zu unterstehen. Das tut ihrer Unkonformität nur gut.

Das Orchester startete mit der Pulcinella-Suite nach Igor Strawinsky. Der zweite Programmpunkt entpuppte sich bereits als erster Höhepunkt des Konzertes. Das Publikum war restlos begeistert von Dmitri Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 1 c-Moll op. 35.

Unterstützt von Trompeter Jan Vollmann brillierte Pianist Carl Wolf an den Tasten. Kein Wunder also, dass er bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben bereits vielen Preisen für sich behaupten konnte. Ebenfalls ein Höhepunkt folgte nach einer Pause im Anschluss. ‚Laprès-midi d’un faune, so der Titel des Stücks von Claude Debussy, das das Orchester in einer Bearbeitung für Streichorchester und Jazzquartett darbot. Dazu hatten sie Florian Esch (Trompete), Martin Drazek (Klavier), Michael Kehraus (Kontrabass) und Bernd Oeszevim (Schlagzeug) eingeladen. Die vier jungen Jazzer aus dem Ruhrgebiet lernten sich beim Studium an der Folkwang-Hochschule kennen. Eindrucksvoll und mit viel Gefühl für Rhythmus und den Musikstil Jazz brachten sie mit dem ‚Jungen Orchester‘ ungewohnte Klänge zu Gehör. Der langsame Anfang — fast im Musikstil alter Hollywood- Streifen — erzeugte Spannung auf das Kommende. Trompete und Klavier lieferten sich zeitweise ein diffiziles Frage- und Antwort-Spiel. Die Zuhörer belohnten die außergewöhnliche Darbietung mit lang anhaltendem Applaus. Überzeugen konnten die jungen Musiker auch mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-Moll. Das Orchester wirkte äußerst homogen. Ganz sanft und zart erzeugten die Streicher eine fast zerbrechliche Melodie. Erst spät drängten sich die Hörner ins Bewusstsein. Etwas erstaunt wirkte das Publikum, als einige der Musiker gegen Ende den Stückes die Bühne verließen obwohl ihre Kollegen noch hei der Arbeit waren. Immer mehr Instrumentalisten räumten Platz nach Beendigung ihres Parts Sogar Dirigent Reihl trat unter dem Lachen des Publikums von der Bühne ab, bis schließlich nur noch zwei Violinen übrig geblieben waren — ein brillanter Einfall, Haydns „Abschiedssinfonie‘ auch optisch mit einem Augenzwinkern umzusetzen.

Ebenfalls etwas fürs Auge war die Begeisterung und Bewegung, mit der der Dirigent bei seiner Tätigkeit auf der Bühne stand. Zur Zugabe trat noch einmal das Jazz-Quartett auf. ‚Wir haben das nicht zusammen geprobt‘, gab Reihl zu. Aber auch hier konnten die Musiker überraschen. Denn anstatt sich Ihrer Instrumente zu bedienen, ließ der Dirigent die jungen Männer und Frauen singen. Ein wahrlich ungewöhnlicher Konzertabend!

Ein unzertrennliches Paar – von Christoph Bittmann | 29.01.2007

Dirigent Ingo Ernst Reihl und das Junge Orchester NRW begeistern in der Philharmonie

Ein Dirigent und sein Orchester. Im Fall von Ingo Ernst Reihl und dem Jungen Orchester NRW ein wohl unzertrennliches Paar. Eines aber, das funktioniert, wie man jetzt wieder in der Philharmonie erleben durfte. Und weit mehr als 1000 Besucher hatten wirklich ihren Spaß.

Gerade einmal 15 Jahre alt war der geborene Oberhausener, als er das Ensemble gründete. Jetzt ist Reihl 37. Und noch immer leitet er die jungen Musiker mit sichtbar großem Engagement. Jedes Jahr zwei neue, aufregende Programme. Zu Dimitri Schostakowitschs Werk scheint Reihl dabei einen besonders guten Draht gefunden zu haben. War es im vergangenen Jahr noch die Stalingrader Sinfonie, präsentierte er dieses Mal das erste Violinkonzert.

Mit einer ausgezeichneten Solistin übrigens: Die junge Violinistin Annette Walther interpretierte ihren Part technisch versiert emotional mitreißend. Bemerkenswert vor allem die anspruchsvolle Kadenz im vierten Satz.

Und was gab’s sonst noch? Die ungemein schwungvollen „Symphonic Dances“ aus Bernsteins West Side Story und Tschaikowskys unter die Haut gehende Symphonie Pathétique. Ein Mammut-Programm. Respekt vor dieser Energie-Leistung.

„Junges Orchester“ klagt und jubelt mit Bravour – von Markus Bruderreck | WAZ | 16.07.2002

Konzert in der Universität mit energiegeladenen Programm – Langer Abend klingt mit großem Beifall aus.

Es ist ein Ensemble, dessen Namen man sich merken sollte: „Das junge Orchester“, geleitet von Dirigent Ingo Ernst Reihl, spielt auf hohem Niveau. Musik von Beethoven, Dvorák und Bruckner stand auf dem Programm ihres Konzertes am Sonntagabend in der Universität Witten.

Seit sich 1985 musikbegeisterte Schüler, Studenten und junge Berufstätige zum ersten Mal zusammenfanden und musizierten, ist Reihl ihr musikalischer Leiter. Im Campusgebäude der Hochschule, an der er auch Musikdirektor ist, präsentierte der Dirigent ein energiegeladenes Programm. In der einleitenden Ouvertüre Beethovens zu Goethes Schauspiel „Egmont“ bewies Reihl viel Sinn für die unterschiedlichen Ausdrucksebenen, die das Werk beherrschen: brutale Gewalt, Klageton und Jubelgeschmetter. Das „junge Orchester“ folgte Reihl hier beispielhaft, getragen durch die allerdings recht knallige Akustik des Campusbaus. Solist im Cellokonzert op 104 von Antonín Dvorák war der 1977 geborene Moritz Kuhn. Sein Instrument gibt einen klaren, kernigen Ton, er selbst beherrschte seinen Part perfekt. Das recht vibratoreiche und stellenweise etwas schluchzende Spiel mochte da Geschmacksache bleiben. Reihls oft straffen Tempovorgaben in diesem Paradestück romantischer Konzertliteratur vermochte er problemlos zu folgen. Nach Bravos und Beifalls-Stürmen gab Kuhn mit einem Satz aus Max Regers erster Solo-Suite gern eine Zugabe.

Im Zentrum: Bruckners romantische Sinfonie

Das Zentrum des Abends war ein Werk, das der Komponist selbst eindeutig betitelt hat: „Romantische“ schrieb Anton Bruckner nach der Uraufführung seiner vierten Sinfonie auf die Partitur. Es ist wohl das beliebteste seiner Werke für diese Gattung und wartet mit mächtigsten Steigerungen und strenger Architektur der Form auf. Delikates gibt es aber auch hier, etwa die heiklen Pizzicato-Passagen des zweiten Satzes, die das „junge Orchester“ vorbildlich meisterte. Wieder sehr straff nahm Reihl dann das Tempo im Scherzo und zeichnete im Kontrast dazu das Trio besonders altväterlich. Im vierten Satz verloren die ersten Violinen dann etwas an Stimmung und Konzentration. Das aber war verständlich am Ende eines langen Abends, der unter großem Beifall ausklang.

Unter dem Eindruck von Stalingrad – von Christoph Bittmann | WAZ | 31.01.2006

Gewaltige Klänge hallen durch die Christuskirche. Zeitweise ohrenbetäubend. Konzert des Jungen Orchesters NRW entfaltet sich zu einem Erlebnis der ganz speziellen Art. Mit bemerkenswerter Zugabe.

Hallten jemals solche gewaltigen Orchesterklänge durch die Christuskirche? Die Lautstärke war teilweise ohrenbetäubend. Und so wurde das Konzert des Jungen Orchesters NRW schon allein ein physisches Erlebnis der ganz speziellen Art. Doch gerade Schostakowitschs achte Sinfonie ist prädestiniert für derartige Wirkungen. Das Junge Orchester ist schon ein Phänomen: 1985 gründete der damals 15-jährige Ingo Ernst Reihl das Ensemble, das er nach wie vor leitet. Profi- und Laienmusiker stehen gleichberechtigt nebeneinander und haben sich in den letzten 20 Jahren zu einem wirklich vorzeigbaren Klangkörper entwickelt. Das wurde auch beim Auftritt in der „Kirche der Kulturen“ deutlich. Mit Wolfgang Amadeus Mozart und Dimitri Schostakowitsch standen dabei zwei Jubilare im Mittelpunkt des Programms. Für Erstaunen sorgte zunächst, dass bei Mozarts Sinfonia concertante nicht der Chef selbst am Pult stand, sondern eine junge Dame namens Juliane Höttges. Diese Information blieb allerdings all denjenigen vorenthalten, die nicht danach gefragt haben. Eine kurze Ansage hätte für Klarheit gesorgt. Doch Höttges machte ihre Sache sehr gut, genauso wie die beiden Solisten Matthias Alexander Bruns (Violine) und Alexander Kiss (Viola). Natürlich kamen im Kirchenraum nicht alle musikalischen Details zur Geltung. Dafür bot das Orchester aber einen warmen, ausgeglichenen Mozart-Klang. Dann der Kontrast: Schostakowitschs Symphonie Nr. 8 c-Moll. Eine kurz gehaltene Einführung bereitete auf das Werk vor, das unter dem Eindruck der Schlacht von Stalingrad entstand. Eindrücke, die der nun selbst dirigierende Reihl mit vibrierender Intensität zu Gehör brachte. Nicht nur die gewaltigen Ausbrüche des ersten und letzten Satzes gestaltete er aufrüttelnd und emotionsgeladen. Gerade in der leidvollen Passacaglia des vierten Satzes traten erschütternde Gefühlsmomente zutage. Mit einer bemerkenswerten Zugabe – Oleg Jantschenkos Filmmusik zu „Komm und sieh“ – bedankte sich das Orchester schließlich beim Publikum, das in nicht allzu großer Zahl erschienen war.

Alle musikalische Kraft – Ruhr Nachrichten | 30.01.2006

Kein Weg führt dieser Tage an Mozart vorbei “ auch nicht beim Jungen Orchester NRW.
Doch die rund 80 Musiker zwischen 16 und 29 Jahren hatten neben der Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester auch noch anderes vorbereitet, als sie am Samstagabend in der Christuskirche auftraten.

Den nun 250-jährigen Komponisten präsentierte das Junge Orchester, das 1985 um Dirigent Ingo Ernst Reihl gegründet wurde, zunächst in kleiner Besetzung. Herausragend spielten die beiden Solisten, Matthias Alexander Bruns an der Geige und Alexander Kiss an der Bratsche, gegeneinander und miteinander. Dirigentin war Juliane Höttges, Studentin von Ingo Ernst Reihl.

Beim zweiten Teil des Konzertes, der Symphonie Nr. 8 von Dimitri Schostakowitsch, wurde es dann richtig voll auf der Bühne und Ingo Ernst Reihl übernahm wieder den Taktstock. Und der sowjetrussische Komponist, dessen Geburtsjahr ebenfalls geehrt wurde, er lebte von 1906 bis 1975, hinterließ ein Werk, das alle Kraft des Jungen Orchesters forderte.

Bomben fallen

Entsprechend stimmte Musikwissenschaftler und Orchestermitglied Alexander Gurdon das Publikum auch ein: „Sie sollen nicht erschrecken sondern die Dissonanzen, die gleich durch die Kirche schallen werden, besser verstehen. Das Stück beschreibt Stalingrad und man hört darin richtig die Bomben fallen.“

Und dies zeigte sich in plötzlich sehr lauten, grotesk überhöhten Klängen während der 60-minütigen Symphonie, die ihren Höhepunkt in Trommelschlägen fanden. Bei den ruhigen Momenten erinnerte das Stück an einen Trauermarsch oder eine Totenklage.

Das Junge Orchester hatte sich auf die aktuelle Konzertreihe, die auch in Düsseldorf, Essen, Bocholt und Witten aufgeführt wird, traditionell auf einer Probenfahrt vorbereitet. Dort können sich die Musiker intensiv mit den Stücken beschäftigen. Das Orchester besteht aus Profi- und Laienmusikern aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Gesungenes Finale

Zahlreiche renommierte Gäste und Preise konnten sie schon für sich gewinnen, zuletzt beim „Jeunesses musicales“ im Jahr 1997. Ihre Vielfältigkeit zeigt sich auch darin, dass die Zugabe regelmäßig gesungen wird. Am Samstag führte der gemischte Chor eine Meditation eines befreundeten Komponisten auf. Da wurde es wieder leise in der Kirche. – cu.

Sinfonia concertante trifft auf „Stalingrader“ – von Virgil Grymonprez | WAZ | 24.01.2006

Junges Orchester NRW gastiert in der Philharmonie

Die Vorzeichen waren verlockend: Das junge Orchester NRW unter der Leitung von Ingo Ernst Reihl spielt in der Philharmonie Mozart und Schostakowitsch. Der zweite Blick auf das aparte Programm offenbarte Reihls Selbstbewusstsein, dem Ensemble nach Mozarts Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester, Schostakowitschs achte Sinfonie zuzutrauen, denn die „Stalingrader“ Sinfonie ist ein Mammut-Werk, über eine Stunde lang und musikalisch sehr komplex. Zu Beginn standen jedoch die beiden Solisten Matthias Bruns (Violine) und Alexander Kiss (Viola) im Rampenlicht. Sie spielten ordentlich, aber zurückhaltend. Ihre technisch guten Vorraussetzungen prädestinierten beide, ihre solistischen Freisäume noch mehr zu nutzen und klanglicher zu gestalten. Dies gilt etwa für das Andante, in dem man sich gewünscht hätte, dass sie sich mehr Zeit für das Thema und die Ausformulierung der einzelnen Phrasen gelassen hätten. Reihl und das Orchester begleiten die Solisten akkurat und komplettierten den ordentlichen Gesamteindruck.

Die Aufführung der achten Sinfonie von Schostakowitsch schickte das ORchester eine Moderation voraus, die dem Zuschauer das Werk durch historische und biografische Informationen zu Schostakowitsch näher bringen sollte. Als endlich die Musik sprach, zeigte sich, trotz vieler kleiner rhythmischer Unsicherheiten im zweiten Satz, dass Reihls Selbstbewusstsein begründet ist. Angefangen mit dem nicht enden wollenden ersten Satz, bis hin zum desillusioniert schließenden fünften, präsentierte das Orchester eine gelungene Schostakowitsch-Interpretation.

Reihl überraschte die Zuschauer auf ihren drängenden Applaus hin noch mit einer Zugabe: Oleg Jantschenkos Filmmusik zu „Komm und sieh“ für kleines Orchester und Stimmen – drei viertel des Orchesters bildete einen Chor und sang. Ein ungewöhnlicher Schluss für ein ungewöhnliches Programm.

Instrumentarium ausgereizt – von Joop van Leeuwen | Januar 2006

Das „Junge Orchester NRW“ führte im Stadttheater Werke von Mozart und Schostakowitsch auf, die dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Erstmals trat das „Junge Orchester NRW“ in Bocholt auf. Und die zwei Werke, die das große, 1985 gegründete Ensemble unter der Leitung seines Dirigenten Ingo Ernst Reihl aufführte, werden dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Von Mozarts 51 Sinfonien werden nur etwa sechs regelmäßig gespielt, darunter das Doppelkonzert in Es-Dur für Violine und Viola KV 364, zu Mozarts Zeit „Sinfonie Concertante“ genannt. Die Besetzung erinnert an das „Concerto Grosso“ von älteren Meistern, aber Thematik und Inhalt sind überwiegend sinfonisch, obwohl ein Menuett fehlt. Und wenn man zuhört, was Mozart unter einem „Maestoso“ (1. Satz) versteht, erkennt man den Ernst und die Geisteskraft, die hinter der Liebenswürdigkeit der Musik stecken. Sanftmütig das Andante: die wörtliche Bedeutung „gehend“ kam hier wunderbar zum Ausdruck, als die Solisten über das Thema in Zweistimmigkeit fantasierten. Das sprühende Presto mit fesselndem Wechselspiel beweist, wie unerschöpflich Mozart Lebensfreude in pure Musik umzusetzen wusste. Die Solisten Matthias Bruns, Violine, und Alexander Kiss, Viola, ernteten großen Beifall, und dem Dirigenten gilt ein Kompliment für seine behutsame Steuerung der Orchester-Lautstärke gegenüber den Solisten in dem akustisch schwierigen Saal.

Von Herbert von Karajan stammt das Urteil: „Im nächsten Jahrhundert wird Schostakowitsch zu den Großen unter den Größten gehören.“ Wenn man erfährt, dass in dieser Saison in Amsterdam und London die siebte und vierzehnte Sinfonie auf dem Programm stehen, in New York die siebte, vierte, die wunderbaren „Michel Angelo Lieder“ und das erste Violinkonzert, ist zu vermuten, dass von Karajan Recht bekommt. Und dass man am besten die der Politik seines Vaterlandes wohlgesinnten „Festkantaten“ und andere Gelegenheitswerke des Komponisten als „Abfindungssummen“ für die Sovjet-Autorität betrachtet.

Im zweiten Teil des Konzertes erklang die Symphonie Nr. 8 c-Moll, komponiert unter dem Eindruck der Schlacht um Stalingrad. Ausdrücklich keine Programm-Musik, sondern Vertonung von Gemütsempfindungen, in denen der Komponist das Kolorit des Orchester-Instrumentariums bis zum Äußersten ausreizt. Ein atemlos zuhörendes Publikum (leider in allzu geringer Zahl) geriet völlig in den Bann durch die Vielfältigkeit der musikalischen Ausdrücke von Drohung, Trostlosigkeit, Schrecken, Leiden, Erschöpfung und Hoffnung, manchmal – nach Meinung des Programmtextschreibers – „.karikatural als grimmiger Humor verarbeitet.“ Herrliche Soli von unter anderem Altoboe, Piccolo, Flöten, Fagott und Trompeten veranlassten den Dirigenten, deren Spieler persönlich zu komplimentieren. Als Zugabe teilte sich das Orchester: ein Ensemble von 15 Streichern und Bläsern begleitete die Übrigen als Chor in einer russischen Vokalist.

Könner treibt junge Musiker an – WAZ  | 09.02.2005

Zwanzig Jahre ist es her, dass der damals 15jährige Ingo Ernst Reihl ein Orchester mit musikbegeisterten Jugendlichen ins Leben rief. Profis uns Laien musizierten seither unter seiner Leitung nebeneinander und stellten dem Publikum jährlich zwei bis drei sinfonische Programme vor.

In der Philharmonie präsentierte sich das „Junge Orchester NRW“, das aus Schüern, Studenten und jungen Berufstätigen besteht, mit einem anspruchsvollen Programm. Reihl, Dozent an der Universität Witten/Herdecke, Dirigent der Kammerphilharmonie NRW, Ehrendirigent des staatlichen Kammerorchesters der Republik Belarus (Litauen), Stipendiat verschiedener Stiftungen, kann auf sein faszinierendes musikalscihes Temperament und seine pädagogische Begabung bauen, wenn er seine jungen Musiker antreibt. Bewundernswert, zu welcher Leistung er sie anspornt, wie er dirigiert. Leonard Bernsteins „Divertimento for Orchestra“ war das erste Werk des Abends. Amüsant und originell klang das aus acht Stücken bestehende Opus. Da kam alles heraus, was in dieser Musik steckt – die skurrilen Klänge, die Farbigkeit der verschiedenen Instrumente, die Aggressivität des Blechs, die Sanftheit der Streicher, die Rhythmen, der jazzige Drive, die Trauer des Blues. Leidenschaft und Dynamik führten Regie. Das gilt auch für die Interpretation von „Meronian Echoes“ des 1954 in Jerusalem geborenen Komponisten Giedeon Lewensohn. In Gustav Mahlers Klangwelt ist es verwurzelt, so war es auch sinnvoll auch noch Mahler-Werke aufzuführen. „Blumine“ und die erste Sinfonie ertönten in der für Mahler typischen Ekstase und Bizzarerie. Das Publikum war entsprechend begeistert.

Begeisterung äußert sich in Bravo-Rufen | WAZ | 01.02.2005

20 Jahre Junges Orchester NRW

Das Junge Orchester NRW feierte Sonntag seinen 20. Geburtstag mit einem Festkonzert in der Universität. Auf dem Programm standen Werke von Leonard Bernstein, Gideon Lewensohn und Gustav Mahler.

20 Jahre jung ist dieses Orchester, und man spürt den Elan und die Hingabe, mit der die Künstler unter Leitung ihres Gründers Ingo Ernst Reihl musizieren, bereits bei der Interpretation von Bernsteins „Divertimento for Orchestra“. Mit fulminantem Schwung gestaltet Reihls leidenschaftliches Dirigat den ersten Satz „Sennets and tuckets“. Auch die Tanzsätze begeistern durch einen satten Orchesterklang und die präzise Intonation der Bläser. Die Interpretation besticht vor allem durch die stilistische Sicherheit, mit der Reihl und das sehr differenziert artikulierende Orchester sowohl Broadway-Stilzitate als auch harmonische Experimente in diese von spannungsgeladenen Kontrasten geprägte Musik integrieren. “

Blumine“ von Gustav Mahler riss mit weich-bebendem Streicherklang, aus dem die Melodie in wundervollen Legati aufblüht, nach einem filigranen Ausklang das Publikum zu spontanen Bravo-Rufen hin. Exotische Motivfragmente blitzen aus dem schwerelosen Gleiten des Klanges auf, bahnen sich ihren Weg auf der Suche nach sich selbst: In der Klanglandschaft von Gideon Lewensohns „Meronian Echoes“ verbinden sich Klezmer-Elemente mit Stilzitaten nach Alban Berg und Mahler zu einem organischen Ganzen, dessen Klangfarbenreichtum und dramatischer Entwicklung das Orchester in sehr subtiler Artikulation unter dem formbewussten und gleichzeitig ungemein temperamentvollen Dirigat Reihls Kontur verleiht. Das Publikum entließ die Musiker und den anwesenden Komponisten nach tosendem Beifall in die Pause.

Im ersten Satz von Mahlers Symphonie Nr. 1 baut das Orchester latente Spannungen überzeugend auf; duettierende Streicher- und Bläserthemen werden bestechend schön artikuliert. Der Schlusssatz begeistert durch die in sehr zügigen Tempi gehaltenen Klangkaskaden, die in sich zusammenstürzen und in eine furiose Kadenz einmünden. Leider beeinträchtigten kleinere Unsauberkeiten in der Intonation der Hörner den Gesamteindruck dieser leidenschaftlichen Interpretation.

Die jungen Musiker präsentierten brillantes Konzert – von Halo Berns | 24.01.2005

Angst vor großen Namen haben die Mitglieder des Jungen Orchesters NRW noch nie gehabt. Seit der damals 15-jährige Ingo Ernst Reihl das Ensemble vor zwanzig Jahren gründete, ging´s mit Vorliebe ans Eingemachte. Zum jetzigen Festkonzert leistete man sich Mahlers 1. Sinfonie.

Was die jungen Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 15 und 40 Jahren im Theatersaal der Stadthalle zuwege brachten, war weit mehr als der verwegene Versuch, ein viel zu schwieriges Riesenwerk in den Griff zu bekommen: Es war eine brillante, die Besonderheiten der Musiksprache Gustav Mahlers zielsicher treffende Wiedergabe.
Das Programm vereinte Werke dreier jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts: neben Mahler Kompositionen von Leonard Bernstein und Gideon Lewensohn. Die Schirmherrschaft über das noch in Bochum, Witten und Essen dargebotene Projekt hat der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel übernommen, der aber in Mülheim leider nicht dabei sein konnte – ebenso wenig wie OB Dagmar Mühlenfeld, die zusätzliche Schirmherrin speziell des Mülheimer Konzerts.

Bernsteins Divertimento, das der Meister der West Side Story 1980 dem Boston Symphony Orchestra zum 100-Jährigen widmete, war mit Witz und virtuosem Pep umgesetzt. Die klanglichen Mysterien in den „Meronian Echoes“ des 1954 in Jerusalem geborenen, bei der Aufführung anwesenden Gideon Lewensohn, die Zitate zwischen Klezmer und Mahler gewannen unter die Haut gehende Intensität. Anders als im Programmheft ausgedruckt, erklang Mahlers „Blumine“-Satz, der ursprünglich zur 1. Sinfonie gehörte, später aber vom Komponisten getilgt wurde, zwischen Bernstein und Lewensohn.

Und nach der Pause dann die spannungsgeladene Wiedergabe der 1. Mahler-Sinfonie. Bei der Zugabe zeigten die Orchestermitglieder, dass sie sich auch gerne mal zum Chor formieren: mit dem Satz „Wer bis an das Ende beharrt“ aus Mendelssohn Bartholdys „Elias“.

Orchester NRW betört Publikum | Witten | 26.01.2004

Das Konzert des Jungen Orchesters NRW am Sonntagabend in der Universität. Ingo Ernst Reihl dirigierte Werke von Samuel Barber, Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Mahler.

Bereits die feierlich-getragenen, verhaltenen Klänge von Samuel Barbers „Adagio für Streicher“ zeichnen sich durch einen vollendet homogenen Orchesterklang und subtile Phrasierungen aus, die den nachdenklichen Charakter dieses Werkes mit größter Intensität gestalten.

Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466 gibt sowohl dem Jungen Orchester NRW, in dem Profis und engagierte Laien seit 1985 gemeinsam musizieren, als auch dem Pianisten Carl Wolf Gelegenheit, unter dem mitreißenden Dirigat Reihls die ganze Palette ihres spieltechnischen und interpretatorischen Könnens entfalten zu können. Reihl arbeitet dramatische Steigerungen durch dynamische Kontraste und stilsicher gestaltete Tempi vor allem im Alternieren des Orchesters mit dem Solisten mit größter Expressivität heraus, trifft aber auch den liedhaft-innigen Ton des zweiten Satzes mit ausgeprägtem Form- und Stilbewusstsein.

Carl Wolfs Spiel besticht nicht nur durch seine technische Souveränität, sondern auch durch seine extrem nuancierte Phrasierung und Artikulation, die dramatische Entwicklungen ebenso überzeugend Klang werden lassen wie liedhafte Melodien. Der junge Pianist dankte für den begeisterten Applaus mit einer von Ferruccio Busoni für Klavier bearbeiteten Orgelsonate von Johann Sebastian Bach.

Höhepunkt des Abends war die Interpretation der 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Reihls leidenschaftliches Dirigat führt das Junge Orchester NRW zu einer Spitzenleistung und konturiert dramatische Entwicklungen, Kontraste und orchestrale Klangfarben durch differenzierte Tempi und dynamische Abstufungen mit einer interpretatorischen Klarheit und Entschiedenheit, die dem Vergleich mit internationalen Orchestern standhält.
Rhythmisch wie artikulatorisch meisterhaft gelingt das Alternieren zwischen Bläsern und Streichern; harmonisch und rhythmisch verfremdete tänzerische Themen im zweiten Satz gewinnen ebenso plastische Kontur wie die durch die flirrenden Tremoli der Streicher bis fast ins Unerträgliche gesteigerte Spannung des Schlusssatzes, der in einem jubelnden Finale ausklingt.

Das Publikum in der vollbesetzten Aula dankte den Künstlern mit stehenden Ovationen.

Tolles Debüt mit Mahler und Mozart | Ruhr Nachrichten | 19. 01. 2004

Sinfonieorchester mit jungen Musikern gibt es in Nordrhein-Westfalen vornehmlich an Musikschulen, Hochschulen und Universitäten. Und sie sind fast immer einer Stadt besonders verbunden.

Das wollte das „Junge Orchester“ nicht; seit 18 Jahren verstehen sich die 80 Profi- und Laienmusiker als unabhängiges NRW-Orchester. In Dortmund hat sich das Ensemble, das Ingo Ernst Reihl als 15-Jähriger gegründet hat, noch nicht vorgestellt. Samstag gab das Orchester, dessen Dirigent inzwischen mehrfach ausgezeichnet wurde und Universitätsmusikdirektor in Witten/Herdecke ist, sein Debüt in der Ostwall-Aula. Mit großer Resonanz: Begeistert feierten die Zuschauer das Orchester, das hochmotiviert ans Werk ging und mit sich mit viel Tonkultur für weitere Auftritte empfahl.

Der 34-jährige Dirigent ist ein Leiter mit großer Suggestionskraft, der die jungen Musiker sichtlich begeisterte für ein impulsives Spiel und mit viel Temperament durch Mahlers 5. Sinfonie führte. Allerdings war dem Orchester in diesem schweren, langen Werk, dem ersten einer sinfonischen Trilogie, auch anzuhören, dass Mahlers Musik Kraft kostet und einige Tücken birgt. Und Reihl, dem man beim Dirigieren ansieht, dass er Schüler vom Bochumer Universitätsmusikdirektor Hans Jaskulsky ist, ist auch ein guter Orchestererzieher, der in den 18 Jahren ein Ensemble mit einem geschlossenen Klang geformt hat und an Feinheiten einer Partitur präzise arbeitet.

Vorzügliche Blechbläser hat das Orchester in seinen Reihen und Streicher, die mit viel Elan Mahlers „Gegensätze der Welt“ plastisch herausarbeiteten. Zu viel Ruhe und einem elegisch-dichten Spiel brachte Reihl die Streicher sowohl im berühmten Adagietto aus der Mahler-Sinfonie als auch zu Beginn im Adagio für Streicher von Barber.

Einen jungen Solisten hatte das Orchester mitgebracht: Der 27-jährige Carl Wolf spielte das d-Moll-Klavierkonzert von Mozart mit brillanter Gestik, einem klaren Ton, mit dem er mehr den stürmischen Ausbrüchen nachspürte als einem romantisierenden Charakter, den viele Pianisten in der Romanze suchen. Der Student von Krystian Zimerman ist sicher auch ein vorzüglicher Bach Interpret und ein guter Anwalt für Virtuosenliteratur.

Starke Leistung holt Zuhörer von den Sitzen | WAZ Witten | 25.06.2003

In seinem Sommerkonzert in der Universität präsentierte das Junge Orchester NRW unter Leitung von Ingo Ernst Reihl Raritäten aus Klassik und Romantik.

Bereits der Auftakt war furios: Mit markanten Rhythmen erklang das Hauptthema von Brahms „Tragischer Ouvertüre“ op. 70 im vollen Orchester, um dann von den Bläsern zur flirrenden Tremolobegleitung der Streicher wiederholt zu werden. Die so erzeugte Dramatik kontrastierte eindrucksvoll mit dem liedhaft-kantablen Mittelteil, den Dirigent Reihl ebenfalls in verhältnismäßig schnellen Tempi gestaltete. In sorgfältigen Differenzierungen von Tempo, Dynamik und Artikulation baute er in der thematischen Durchführung Spannungsmomente auf, die dann im homophon gesetzten Anfangsthema kulminierten, bevor das Werk in einer fulminanten kurzen Schlusskadenz endete.

Höhepunkt war Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 21. Die junge Solistin Agnes Farkas begeisterte durch ihren klaren, ungemein transparenten und doch kraftvoll-expressiven Klang, in dem sich musikalische Intelligenz mit technischer Meisterschaft verbindet. Die Geige atmet und lebt unter ihren Händen. Ob flirrende Tremoli, schnelle figurierende Umspielungen, virtuose Läufe oder melodiöse, schluchzende Legati im Hauptthema des Werkes – ihr Spiel gestaltete stilsicher feinste Nuancen und Schattierungen in Tempo, Dynamik und Artikulation. Dabei waren ihr Reihl und das Junge Orchester NRW kongeniale Partner: Sein mitreißendes Dirigat akzentuierte dynamische Kontraste und durch das Alternieren von Bläsern und Streichern entstehende Klangfarbendifferenzen prägnant und stilsicher, ohne sich trotz sehr schnell genommener Tempi in Aktionismus zu verlieren.

Das Konzert klang aus mit Dvorßks Symphonie Nr. 7 d-Moll. Aparte, „slawische“ Klangfarben im Scherzo durch die Holzbläser ziselierte Reihl ebenso form- und stilbewusst heraus wie rhythmische Akzente und dramatische Entwicklungen, bis die Symphonie im Hauptthema des ganzen Orchesters zu bedrohlichen, flirrenden tiefen Streichertremoli ausklang.

Für den tosenden Beifall und „standing ovations“ bedankten sich Dirigent, Solistin und Orchester vokal mit dem Chorlied „Mercy“ von Joe Zawinul zu dezenter Bläserbegleitung.

Fesselndes Wechselbad der Gefühle | Buersche Zeitung | 17.06.2003

„Erwachsen“ ist das vor 19 Jahren gegründete Junge Orchester NRW inzwischen. Mit populären Werken von Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven und Antonín Dvorák trat es zum dritten Mal in der Horster Kirche St. Hippolytus auf.

Dieses Sinfonieorchester ist von keiner Institution abhängig. Es arbeitet projektorientiert mit dem Ziel, zwei oder drei Konzerte zu geben. Auch als Salon- oder Kammerorchester und sogar als Chor tritt es auf.

Ingo Ernst Reihl wurde 1985 schon als 15-jähriger Schüler zum Dirigenten gewählt. Neben seiner Konzerttätigkeit unterrichtet er heute als Dozent an der Musikakademie in der litauischen Stadt Belarus und im „Studium fundamentale“ der Privatuniversität Witten/Herdecke.

Die „Tragische Ouvertüre“ von Johannes Brahms steuerte Reihl durch ein fesselndes Wechselbad der Gefühle. In den dramatischen Phasen ließ er das Orchester forsch und voluminös voran drängen. Aus den ruhigen Abschnitten heraus entwickelte er in sorgfältiger Abstufung die immer neu entfachten Höhepunkte.

So erklang ein anderer Brahms, prall gefüllt mit Effekten. Beethovens einziges Violinkonzert ist in seiner Anlage einzigartig. Wie in vielen seiner Ensemblewerke dominiert der Solopart hier nicht.

24-Jährige spielt ihr Solo makellos

Das Gewicht des Orchesters hält hier mindestens Balance, so dass ein Ganzes aus gleichberechtigten Partien entsteht. Die 24-jährige Geigerin Agnes Farkas spielte die Solopartie makellos. Sie arbeitete weniger auf individuellen Glanz hin als vielmehr als Anführerin unter Gleichen und Gleichaltrigen. Das heikle Problem der dynamischen Gewichtung in der problematischen Akustik der Hippolytuskirche mit ihrem langen Nachhall meisterte sie gut.

Dvoráks Sinfonie Nr. 7 d-Moll bot ein Orchesterfest. Sie schlug den Bogen zu Brahms zurück, dessen Einfluss hier unüberhörbar ist. Dvorák wäre sich nicht treu geblieben, wenn er seine tiefe Verwurzelung im musikalischen Erbe seiner böhmischen Heimat nicht auch in diesem Werk zum Ausdruck gebracht hätte.

Auf den für Dezember angekündigten nächsten Auftritt dieses Ensembles mit dem Oratorium von Max Bruch darf man sich schon freuen.

Brahms auf böhmisch | Gelsenkirchen | 17.06.2003

Große Orchesterkonzerte in der Kirche bedeuten eine Rarität. Das „Junge Orchester“ aus NRW, 1985 gegründet, war schon öfter hier zu hören. Es gastierte unter Leitung seines Gründers Ingo Ernst Reihl in Hippolytus.

Die 150 Besucher hörten ein klassisch-romantisches Programm: die Tragische Ouvertüre von Johannes Brahms, Ludwig van Beethovens Violinkonzert op. 61, Antonin Dvoraks 7. Sinfonie. Das Problem: Die Hallakustik der neogotischen Kirche, damit das zuweilen unklare Klangbild. Das traf ein, mochte Dirigent Reihl auf Transparenz und beseelte Intimität zielen. Wenn Pauken und Trompeten dröhnen, ist die Anstrengung vergeblich.

Davon abgesehen: Das Junge Orchester, Mischung aus Profis und begabten Laien, brachte eine ausgezeichnete Solistin mit. Die 24-jährige Geigerin Agnes Farkas ging den Beethoven-Klassiker mit beherzter Verve und poetischen Registern an. Sie strebte den Dialog mit dem scheinbar übermächtigen Partner an. Reihl beließ ihr Ruhe im blühenden Solo, die Agnes Farkas mit leidenschaftlicher Kadenz beantwortete. War das Orchester ein zuverlässiger Partner, so bestätigte das 70-köpfige Ensemble seinen respektlosen, farbigen, ambitionierten Umgang mit istorischem Material bei Brahms/Dvorak. Die Tragische Ouvertüre behielt melancholischen Grundton, bei den Dvorak-Sätzen begegneten sich Feuer, Besinnlichkeit, Tanz, Nachdenklichkeit: ein „böhmischer Brahms“.

Herzliche Zustimmung.

Junges Orchester spielt stilsicher – von Konstanze Führlbeck | WAZ  | 28.01.2003

Konzert in der Universität – Klangfarbenschattierungen gut herausgearbeitet

Ein Konzert auf höchstem Niveau präsentierte das Junge Orchester NRW unter Leitung von Ingo Ernst Reihl am Sonntagabend in der Universität mit Werken von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Alexander G. Arutjunjan und Dimitri Schostakowitsch.

Bereits die Interpretation des ersten Werkes, der bekannten Phantasieouvertüre „Romeo und Julia“ von Tschaikowsky, ließ aufhorchen. Das Spiel des Jungen Orchesters NRW, in dem Profis und engagierte Laien seit 1985 gemeinsam musizieren, zeichnete sich durch eine stilsichere Gestaltung der Tempi und der dynamischen Kontraste aus. Reihls mitreißendes Dirigat arbeitete die musikdramatische Spannung zwischen dem choralartigen Thema der tadellos intonierenden Bläser und dem melodiösen Thema der Streicher bis in feinste Nuancen heraus – ebenso die durch das Wechselspiel der Instrumentengruppen erzeugten Klangfarbenschattierungen.

Formgefühl, aber auch Temperament bewiesen Reihl und sein Orchester bei dem Konzert für Trompete und Orchester des armenischen Komponisten Alexander Grigorjewitsch Arutjunjan. Die für dieses Werk charakteristische Dualität zwischen romantisch-elegischen Klängen und tänzerischen Rhythmen mit orientalisch-folkloristischen Anklängen erinnert in ihrer Plastizität an Stilmittel der Filmmusik. Klare Intonation, stilsichere Phrasierungen und sorgfältige Differenzierungen in Tempo, Dynamik und Artikulation zeichneten das Spiel des jungen Trompeters Christof Skupin aus. Orchestrale Klangfarben und spannungsgeladene Streichertremoli bildeten einen eindrucksvollen Hintergrund zu seinem Solopart.

Höhepunkt des Abends war Schostakowitschs Symphonie Nr. 5 d-Moll. Dirigent Reihl leuchtete die beiden kontrastierenden Hauptthemen des ersten Satzes durch seine sichere Gestaltung der orchestralen Klangfarben plastisch aus, um sie dann in einen präzise akzentuierten stakkatierten Marsch gipfeln zu lassen. Klangfarbenkontraste und sicher artikulierte flirrende Streichertremoli konturierten den liedartigen zweiten Satz.
Ein sorgfältiges Ziselieren von Klangfarbennuancen und präzise Abstufungen in Dynamik, Tempo und Artikulation kennzeichneten auch die Interpretation des liedhaft-elegischen dritten wie des schnellen, von extremen dynamischen Steigerungen geprägten monumentalen vierten Satzes.

Das zahlreich erschienene Publikum dankte den Künstlern mit „standing ovations“ für eine herausragende Leistung.

Junges Orchester zeigt sich als Talentschmiede – von Michael Beste | Forster Zeitung | 9. Juli 2002

80 Musiker zählt ‚Das Junge Orchester‘ – eine freie Gemeinschaft von Musikern, die sich großer Sinfonik, aber auch der Salon- und Kammermusik widmen. Sogar als gemischter Chor treten sie auf. In der Horster Kirche St. Hippolytus hatte das Orchester einen großen Auftritt.

Das 1985 gegründete Orchester arbeitet projektorientiert. Es fördert junge Talente und widmet sich der Tradition wie der Moderne. Der 32-jährige Ingo Ernst Reihl leitet den von grenzenlosem Idealismus getragenen Klangkörper. In der Hippolytuskirche stellte sich ‚Das Junge Orchester‘ mit der Egmont-Overtüre von Ludwig van Beethoven, dem Cellokonzert von Antonin Dvorák und der 4. Symphonie Es-Dur, der „Romantischen“, von Anton Bruckner vor. Übermächtig entfaltete sich in den halligen Kathedranlenausmaßen der Horster Kirche der Klang – ein Problem gewiss, aber der Funke der Begeisterung für Auge und Ohr war vom ersten bis zum letzten Ton präsent. Die Erhabenheit der Egmont-Overtüre füllte prall den Raum. Mit ihr spielte sich das Ensemble frei für die großen Aufgaben danach. Die ausgiebigen kammermusikalischen Passagen in Dvoráks zauberhaftem, aus dem böhmischen Urmusikantentum Böhmens genährten Werk konnten sich umso blühender entfalten.

Dvorák hat das Cello angeblich nicht gemocht. „Oben näsele, unten brumme es“, soll er gesagt haben. Aus dieser Hassliebe ist freilich eines der gesanglichsten Konzerte entstanden. Solist Moritz Kuhn und das Orchester ließen sich genüsslich Zeit zum Ausmusizieren der Gefühle. Drängende, brillant beherrschte Virtuosität kam darüber nicht zu kurz. Das Ganze geriet aus einem Guss. Der Solist orientierte sich bis ins Detail an den Impulsen des Dirigenten. Bruckner-Sinfonie als Meisterprüfung Bruckners Sinfonie, eine Meisterprüfung für jedes Orchester, horchten die Gäste penibel aus. Die riesigen Bögen aus Motiven und Themen und die gewaltigen Bläserpassagen hielt Reihl in der Balance.

Vorbildlich war das Programmheft gestaltet. Es verknüpfte Fachliches mit Anekdoten und menschlichen Hintergründen.